Mehr Social Media als Journalismus

Von Franca Siegfried ‒ 19. Januar 2024

Die Online-Plattform «Was lese ich? Journalismus verstehen» soll die Medienkompetenz der Jugendlichen fördern. Ein Lehrmittel, das auch Erwachsene angeht.

Lesen Sie noch oder streicheln Sie nur? Der Wandel des Medien­konsums ist drastisch. Die Digitalisierung überschwemmt auch die Jungen. (Bild: Pixabay/Simon)
Lesen Sie noch oder streicheln Sie nur? Der Wandel des Medien­konsums ist drastisch. Die Digitalisierung überschwemmt auch die Jungen. (Bild: Pixabay/Simon)

Der Verband Schweizer Medien sorgt sich um die Schweizer Jugend und hat mit der Plattform «Was lese ich?» ein ­Online-Lehrmittel für die Sekundarstufe lanciert. Kurzum: Der Branchenverband will die Medienkompetenz der Jugend fördern. Die Kampagne ist nicht verwunderlich: Der Medienkonsum hat sich in den vergangenen Jahren massiv verändert. Die Digitalisierung hat uns, auch Erwachsene, mit einem immensen Angebot von Apps, Diensten, Netzwerken usw. ausgestattet. Jederzeit und überall lassen sich ­Informationen lesen, lässt sich Unterhaltung konsumieren.

Die «James»-Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW beobachtet die Mediennutzung seit 2010. Es werden jeweils rund 1000 Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren der drei Sprachregionen befragt. In der Studie des Jahres 2022 setzen besonders Mädchen Trends in sozialen Netzwerken, Buben hingegen gamen lieber. Interessant ist die Medientätigkeit aller: 99 Prozent nutzen ein Handy, 90 Prozent hören Musik und schauen Videos an. Radio hören noch 39 Prozent, online Bücher ­lesen 22, Tageszeitung lediglich 12 Prozent. Nur 120 Jugendliche von 1000 interessieren sich für Journalismus. Die Unterversorgung mit Nachrichten, der drastische Leserrückgang haben nicht nur negative ­Folgen für das Geschäftsmodell der Medien, sondern auch für die Demokratie. Gut informierte Bürger­innen und Bürger erreichen eine mindestens doppelt so hohe Stimmbeteiligung bei Wahlen und Abstimmungen als schlecht informierte mit knapp 30 Prozent. In den Schulen soll vermehrt erklärt werden, was Qualitätsjournalismus ausmacht, wie er entsteht und warum wir ihn brauchen. Medienkompetenz stärkt zugleich eine Sensibilisierung für Fake News. Die nächste Herausforderung mit Künstlicher Intelligenz ist schon da. Die Plattform www.was-lese-ich.ch ist kostenlos und ohne Registrierung zu nutzen – für Junge und auch Reifere. Nebenbei: Der Zolliker Zumiker Bote wird tatsächlich auch von Jungen gelesen, da er jede Woche im Briefkasten liegt – als ein Stück Heimat.

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