Dringend gesuchte Trainingsmöglichkeiten

Von Birgit Müller-Schlieper ‒ 26. Januar 2024

Bauarbeiten und Sanierungen der Zolliker Sportanlagen behindern Fussballer, Wasserballer, Schwimmer und Schwimmerinnen auf lange Zeit.

Wo soll in naher Zukunft noch Fussball gespielt werden, wenn der Sportplatz Riet wegen Baurbeiten für längere Zeit nicht verfügbar sein wird? Ausweichmöglichkeiten gibt es offenbar kaum. (Bild: jjm)
Wo soll in naher Zukunft noch Fussball gespielt werden, wenn der Sportplatz Riet wegen Baurbeiten für längere Zeit nicht verfügbar sein wird? Ausweichmöglichkeiten gibt es offenbar kaum. (Bild: jjm)

Eigentlich steht das Jahr 2024 unter einem guten sportlichen Stern. Marco Odermatt hat einen fulminanten Start für die Schweiz hingelegt. In den Nachbarländern locken olympische Spiele und die Fussball-EM. Schliesslich zeigen sich die besten internationalen Radfahrer auch in Zollikon. Doch für die heimischen Sportler sind die Aussichten getrübt. Fohrbach und Sportplatz Riet werden wegen Bauarbeiten längere Zeit nicht zur Verfügung stehen. Das sei bedenklich für Fussballer, Schwimmer und Wasserballer, reklamiert nun ein Leserbriefschreiber im Zolliker Zumiker Boten.

Melanie Marday-Wettstein, Kommunikationsbeauftragte der Gemeinde, bittet um eine differenzierte Betrachtung. Dass das Schwimmbad Fohrbach ab Herbst wegen umfangreicher Renovierung schliessen müsse, sei seit Monaten bekannt. «Die Gemeinde ist auch seit längerem mit den betroffenen Vereinen im Gespräch.» Geplant ist nicht nur eine betriebliche Optimierung mit Photovoltaikanlage und Grauwassertank für Bewässerungszwecke, auf dem Dach der heutigen Freibadgarderoben soll ein Restaurant entstehen. Die Wiedereröffnung ist für den Sommer 2026 geplant. Die Kosten werden mittlerweile auf rund 50 Millionen Franken geschätzt.

Erhebliche Einschränkungen

«Das wird unseren Trainingsbetrieb erheblich einschränken», erklärt Sven Meyer, Präsident des Wasserballvereins «Aquastar». Man sei seit langem in Verhandlungen mit Küsnacht. Das Schwimmbad im Spital Zollikerberg käme nicht in Frage; es sei zu klein und das Wasser zu warm. Dabei hat der Verein jetzt schon Probleme. «Es ist leider so, dass wir für die NLB-/Regionalliga und U17-Spiele kein Becken mit der Mindestbreite von 15 Metern zur Verfügung haben. Die Abklärungen gestalten sich vor allem mit der Stadt Zürich als fast hoffnungslos», erläutert René Gröbli von Aquastar. Gespräche laufen auch mit dem Zumiker Juch-Bad. Das Problem trifft den Verein besonders hart, weil er sportlich im Aufwind ist: 2022 qualifizierten sich alle vier Nachwuchsmannschaften für die finalen Playoffs der jeweils sechs besten. Höhepunkte waren die Schweizermeister-Titel mit der U11 und der 3. Rang mit den U15-Spielern. 2023 wurde das Vorjahresergebnis sogar noch getoppt. Die U11 verteidigte erfolgreich ihren Titel, die U13 wurde auch Schweizer Meister. «Aquastar/Aegeri» etablierte sich als erfolgreichster Nachwuchsverein der Schweiz.

Leider ohne Traglufthalle

Sportlich ist auch der Schwimmklub Zollikon (SKZ) unterwegs. Zum Breitensport mit Angeboten für Kinder und Erwachsene kommen die Leistungsschwimmer, die jährlich an der Schweizermeisterschaft teilnehmen. Allein die Wettkampfgruppe trainiert fünf bis sieben Mal in der Woche. Dementsprechend früh schaute man sich nach Ausweichmöglichkeiten um. Erster Ansprechpartner war wiederum das Juch in Zumikon, wo der SKZ bereits Trainingseinheiten anbietet. «Gezwungenermassen demnächst noch mehr», erklärt Vereinspräsident Marcel Haberecker. Auch in Witikon und im Therapiebecken des Balgrist ist der SKZ untergekommen. Noch im Gespräch ist der Vorstand mit dem Spital Zollikerberg. Durch die neuen Trainingsstätten entstehen nicht nur längere Anfahrtswege, auch die Kosten für den Verein steigen. Bereits letzten Frühling mussten die Mitgliederbeiträge unter anderem deswegen massiv angehoben werden. «Wir sind aber immer noch einer der günstigsten Schwimmvereine der Deutschschweiz», unterstreicht Marcel ­Haberecker. Zu finanzieren sind neben den Trainingsstätten auch die Funktionäre und angestellten Trainer. Sie trainieren die rund 300 aktiven Mitglieder und 250 Kinder pro Trimester in der Schwimm­schule. Was dem SKZ etwas bitter aufstösst: Die Sanierung ergibt für die Sportler keine Verbesserung. «Natürlich ist der Hauptaspekt die technische Anlage, aber wir hätten uns mehr Wasserfläche gewünscht.» Die Anforderungen an Sportstätten hätten sich in den vergangenen Jahrzehnten erheblich verändert, auch die Bevölkerungszahl ist gestiegen. Diesen Bedarf würde der Verein gerne bedienen. «Das wäre mit einer Traglufthalle über dem 50-Meter-Becken möglich gewesen, wie es sie zum Beispiel in Chur oder Schaffhausen gibt.» Das sei sogar unter klimatechnischen Aspekten realisierbar.

Sportplatz ohne Beleuchtung

Schwierig ist die derzeitige Planung auch für den Sportclub. Unter dem Rasenplatz des Riets wird eine Energiezentrale für das Fernwärmeprojekt entstehen. Baustart ist im Herbst. Wie lange die Arbeiten dauern und der Rasen betroffen ist, ist ungewiss. «Wir verhandeln mit der Gemeinde, wirkliche Lösungen sind noch nicht gefunden», erklärt SC-Präsident Ferry Hermida. Die Ausweichmöglichkeiten für den Trainingsbetrieb und die Heimspiele sind begrenzt. Da ist die Sportanlage Buechholz. Dies soll nächstes Jahr eine neue Tartanbahn erhalten. «Wenn es ganz blöd läuft, fallen alle Bauarbeiten zusammen», befürchtet der Präsident. Da gibt es im ­Zollikerberg noch den Sportplatz Rüterwis neben der Spitzhütte. Allerdings ohne Beleuchtung, für das Training ist es schnell zu dunkel. «Denkbar wäre, temporär Spots aufzustellen. Das müsste im Einklang mit dem Naturschutz stehen.»

Trotz gutem Kontakt zwischen den Fussballclubs anderer Gemeinden gibt es kaum Ausweichmöglichkeiten; die Plätze sind fast ausgebucht. Viel Hoffnung macht sich der Präsident nicht. Ein weiteres Fragezeichen steht hinter dem neuen Rietplatz. Gibt es einen Kunst- oder Naturrasen? Der Genuss-Fussballer würde sich einen Naturrasen wünschen. «Auf Kunstrasen sind mehr Trainings möglich, und wir könnten vielleicht unsere Warteliste abbauen, vorausgesetzt wir finden genug Trainer», erläutert Ferry Hermida. Doch diese Entscheidung liege bei der Gemeinde. Die Fussballer wünschen sich, egal welche Lösung umgesetzt wird, dass der Platz brauchbarer ist als vor den Bauarbeiten.

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