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Perspektiven des Alltags

Von Birgit Müller-Schlieper ‒ 26. April 2024

Die Galerie Milchhütte zeigt die Fortsetzung des fotografischen Tagebuchs von André Roth.

Ein gesprächsbereiter André Roth an der Vernissage. (Bild: bms)
Ein gesprächsbereiter André Roth an der Vernissage. (Bild: bms)

Keine Frage, die Zeit der Pandemie hatte unser aller Alltag verändert. Vor allem freischaffende Künstler waren betroffen. Der Zürcher Fotograf André Roth hat dagegen die Chance genutzt: Er begann seinen Zyklus «Fotografisches Tagebuch». Schon vor zwei Jahren zeigte er Werke daraus in der Zumiker Milchhütte. Nun ist er mit der Fortsetzung zu Gast. «Wir alle waren daheim, waren fast immer am selben Ort. Und diesen Ort habe ich plötzlich mit anderen Augen gesehen», erinnert er sich. Er schaute genauer hin, auch bei scheinbar unwichtigen Details. Er suchte die andere Perspektive, den besonderen Bildausschnitt und zückte dann die Digitalkamera. Was dabei entsteht, erinnert nur ganz schwach an Foto-Arbeiten. Er druckt seine Bilder auf besonders mattem Papier, also ohne den typischen Fotoglanz. Für die Fortsetzung des Tagebuchs hat er den Radius seiner Seefelder Wohnung erweitert – obwohl es das nicht immer braucht. In der kleinen Galerie zeigt er gleich mehrere «Berge». Einer davon ist eigentlich eine Bodenplatte, der andere ein Kissenzipfel in Form des Matterhorns.

André Roth hat sich die Neugierde erhalten, den Alltag immer wieder frisch zu betrachten und scheinbar banale Dinge in ein kreatives Licht zu tauchen. So meint die Betrachterin bei einem Bild Wolken vorbeiziehen zu sehen. In Wirklichkeit ist es einfach etwas Dreck auf der Scheibe. Es sind besonders die fast kargen Bilder, die die Fantasie anregen und Platz für eigene Interpretationen lassen.

Unumwunden gibt der Fotograf zu, dass er – der nun eben auch digital fotografiert – die Zeit in der Dunkelkammer vermisst. Die Zeit, in der jedes Bild ein Unikat war. Geduld war gefragt, um den Film zu entwickeln, zu wässern, die Negative trocknen zu lassen und gespannt das Ergebnis zu sehen. «Auf der anderen Seite arbeiten wir nun ohne giftige Chemikalien.» Er mag jeweils auch die andere Seite. Wenn er nicht die Kunst im Alltag sucht, schafft André Roth Dokumentationen von Neubauten. Von Objekten, bei denen es gar nichts zu interpretieren gibt, eine Arbeit, bei der die Phantasie dem Realismus weichen muss. «Das ist für mich der perfekte Ausgleich.»

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